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WO FRÜHER BIER GEBRAUT WURDE

Zu Gast in der Cantina Don Camillo
Hier tafeln fein gekleidete Geschäftsleute vom nahe gelegenen Pharmariesen Seite an Seite mit Kapuzenpulli tragenden Trendsettern, hier speisen Eltern Mitte dreissig mit dem Kinderwagen am Tisch und hier wird auf Deutsch, Englisch oder Französisch friedlich diskutiert. Ein unaufgeregter, demokratischer Ort diese Cantina Don Camillo – und nicht zuletzt ein urbaner Meeting Point mit leckerem Angebot für den hungrigen Magen. Perfekt für ein Mittagessen. bluebanana.ch hat's ausprobiert.

Der Weg zur Cantina Don Camillo ist steil, doch wer ihn geht, wird kulinarisch mehr als entschädigt.
Eine trendigere Heimat als die grosszügigen Räumlichkeiten einer stillgelegten Brauerei kann man sich als Kultur- und Gastrobetrieb wohl kaum wünschen. Die Betreiber der Cantina Don Camillo träumen nicht davon, sondern wirten tatsächlich in einer solchen Umgebung. Ihr loftartiges Restaurant thront hoch über dem Burgweg in den Gemäuern der alten Warteck-Brauerei, die mit ihrem Turm und Kamin gemeinsam mit den markanten Roche-Bauten die Skyline im Oberen Kleinbasel zwischen Wettstein- und Schwarzwaldbrücke prägt.

Der Zugang zum Restaurant erfolgt über eine steile Treppe und liegt in luftiger Höhe – dort, wo sich am Übergang vom massiven Backsteinsockel in den Kamin der einstigen Brauerei die riesige Terrasse befindet. Letztere allein macht das «Don Camillo» in der warmen Jahreszeit fast allein schon zum Juwel und lässt den Gast der «Cantina» einen fühlbaren Akzent ihres südländischen Namens in sich aufsaugen. Aber auch im Innern des Restaurants, das sich für einen kühlen (wenngleich ungemein sonnigen) Novembermittag eher empfiehlt, fühlt man sofort diese mediterrane Gemächlichkeit. Obwohl: Das Interieur und die Ausleuchtung erinnern spontan doch eher an ein Bistro Pariser Vorbilds. Wie auch immer: Frankreich liegt ja bekanntlich auch am Meer.

Die Cantina Don Camillo ist sichtlich frei von Schnickschnack – eben wie ein Bistro – und versprüht einen Charme, der geprägt ist von der stimmigen Verbindung vom einfachen, in schummrigem Kerzenschein erstrahlenden Holzmobiliar mit den kahlen Betonböden und Stahlträgern des L-förmigen Grundrisses. «Industrial Look», das ist eine in unseren strukturverwandelten, postindustriellen Breiten äusserst beliebte, weil einfach tolle, urbane und damit moderne Kombination. Das Rezept funktioniert auch im Don Camillo. Die Beiz ist jedenfalls super ausgelastet an diesem Freitag zur Mittagszeit.

Grund dafür wird natürlich kaum nur das Interieur sein – und damit weg vom (innen)architektonischen Exkurs hin zum leiblichen Wohl. Eines vorweg: Die Mittagskarte (à la carte, Mittagsmenüs gibt's ebenfalls) scheint äusserst beliebt zu sein und so darf man wohl nicht allzu enttäuscht sein, wenn zum Ende der Mittagszeit hin nicht mehr ganz alle Varianten verfügbar sind. Saisongerecht sind sowieso alle Gerichte – wir entscheiden uns für die gebratenen Pouletspiesschen auf Herbstsalat mit Feigen und Trauben. Die Kombination erweist sich als geschmacklicher Volltreffer. Die im normalen Rahmen liegende Wartezeit überbrückt man ganz einfach mit dem Verspeisen des super-frischen Brots – da ist Nachbestellen fast schon vorprogrammiert.

Eines wird beim Besuch in der Cantina sofort klar: Wohl auch die legendären Kontrahenten Don Camillo und Peppone aus Giovannino Guareschis gleichnamigen Romanen hätten ihre helle Freude gehabt am gemütlichen Lokal im kulturellen Chamäleon «Werkraum Warteck pp», dem namensgebenden Verein, der mit seiner Stiftung im Rücken für den reibungslosen Betrieb unzähliger in den Gemäuern der ehemaligen Brauerei beheimateten Institutionen sorgt. Noch mal zurück zum Don Camillo: Sei es die kreative Küche, die französische, asiatische und sogar vegane Einflüsse für sich reklamiert, der feine Wein (vorzugsweise abends, mittags ist die Auswahl klein), die Gastfreundschaft oder der hervorragende Kaffee – es gibt wahrlich genügend Gründe, dem stylishen Restaurant in luftiger Höhe einen Besuch abzustatten.
BaZ vom 4.8.2011